Archiv für die Kategorie ‘Mobbing’

Selbstmord durch zu hohen Arbeitsdruck

Juli 7, 2007

Vier Selbstmorde in zweieinhalb Jahren hat es unter Mitarbeitern des staatlichen französischen Atomkraftwerk-Betreiber EDF gegeben. Den ersten im Jahr 2004; der 49jährige Dominique Peutevynck leidet unter Depressionen, als er wegen einer Netzhautablösung krank geschrieben wird, wirft er sich wenige Tage später vor einen Zug. Der behandelnde Betriebsarzt Dminique Huez sieht in dem Selbstmord und dem hohen Druck, der in der Zentrale des AKW-Betreibers seit einigen Jahren durch Kürzungen von Stellen, Auslagerung von Arbeit und Erweiterung der Aufgabenbereiche und Schichtarbeit auf die Mitarbeiter ausgeübt wird. So habe Peutevynck sich vor seinem Tod regelmäßig über die Verschlechterungen an seinem Arbeitsplatz beklagt.

Zwei Jahre nach Peutevynck bringt sich Jean-Pierre Levaillant mit einem Kopfschuss ums Leben. Auch er arbeitete für die EDF, wenn auch in einer anderen Abteilung. Kollegen sind sich sicher, dass der Arbeitsdruck in dem Unternehmen ihn dazu getrieben haben, er wollte kündigen, heißt es. Drei Monate später erschießt sich eder EDF-Kollege Guy Saldana, wie Peutevynck litt auch er unter starken Depressionen, und auch er sprach wiederholt von zunehmenden Schwierigkeiten am Arbeitsplatz.
Wieder drei Monate später erschießt sich ein vierter Kollege.

Der AKW-Betreiber EDF sieht in den vier Fällen keinen kausalen Zusammenhang zwischen den Selbsttötungen und den Arbeitsbedingungen. Betribsarzt Dominique Huez hingegen hat mittlerweile die Geschäftsführung wegen gesundheitlicher Gefährdung angezeigt.

Der ARD-Weltspiegel berichtet am Sonntag um 19.30 über diese Fälle.

Quelle: tagesschau.de

Bossing

Juli 5, 2007

Drangsalieren Chefs oder Vorgesetzte ihre Mitarbeiter, sprechen die Forscher von „Bossing“ – eine sehr deutsche Mobbing-Variante, Folge der strengen Hierarchien in den Unternehmen.

Die Ursache ist, dass Vorgesetzte oft Persönlichkeitsprobleme haben. Nach einer Studie sollen 70 Prozent der deutschen Führungskräfte neurotisch gestört sein. „Sie schikanieren ihre Untergebenen aus Mangel an Selbstbewusstsein. Sie fühlen sich von starken Mitarbeitern bedroht.“ Bossing-Opfer sind in der Regel keine Drückeberger oder Faulpelze, sie sind fleißig und kreativ. Führungskräfte und Kollegen fühlen sich dadurch bedroht. Auch Umstrukturierungen und ein mieses Betriebsklima führt zum Bossing. Die Opfer sind quasi die ausgewählten Sündenböcke und Blitzableiter für den Frust von Chefs und Kollegen. Nachfragen zu Arbeitsabläufen können ebenfalls zum Bossing führen.

Leider ist es auch der Öffentliche Dienst mit seiner hierarischen Struktur, der es den Tätern immer wieder leicht macht, neue Opfer zu terrorisieren, da dort die Beschaffung von Gründen aus Sicht der Dienststellenleitung rechtlich abgesichert scheint. Arbeitsrechtliche Maßnahmen gegen MitarbeiterInnen werden gerne in Anspruch genommen, damit wird dann bezweckt, die nervliche und damit gesundheitliche Zermürbung des Opfers als Zweckerreichung einer Kündigung des Opfers (Druckkündigung) zu erreichen. Hinzu kommen Anweisungen, Schikanen, Unterstellungen und Demütigungen auf Zersetzung der Persönlichkeit des Opfers. Laut Thüringer Urteil verletzt dieser Psychoterror nicht nur die Menschenwürde, sondern berührt auch die Grenze zur strafbaren Körperverletzung.

siehe auch: Mobbing

Mobbing am Arbeitsplatz

Mai 16, 2007

Mobbing (engl. mobbing; mob: Meute, Gesindel, Pöbel, Bande; oder to mob: anpöbeln, angreifen, über jemanden herfallen) ist per Definition des Bundesarbeitsgerichtes „systematisches Anfeinden, Schikanieren und Diskriminieren von Arbeitnehmern untereinander oder durch Vorgesetzte.“

Im Klartext heißt das, Menschen werden von Kollegen und/oder Vorgesetzten über Wochen, Monate oder sogar Jahre auf verschiedene Art in ihrer Leistungsfähigkeit beschnitten. Das kann auf vielerlei Art geschehen, Betroffene werden zum Beispiel konsequent ignoriert, ausgegrenzt, bedroht oder permanent kritisiert.
Hinter vorgehaltener Hand wird gelästert und Gerüchte werden gestreut.
Auch eine ständige ungerechte Aufgabenverteilung ist Mobbing, etwa wenn Menschen keine, sinnlose, oder zu viele Aufgaben, oder diskreditierende Tätigkeiten zugeteilt bekommen. Die Palette der Möglichkeiten reicht bis hin zu körperlicher Gewalt und sexueller Annäherung.

In Deutschland sind davon geschätzte 1 – 1,5 Millionen Menschen betroffen. Das die Schätzung so weit auseinander gehen liegt daran, dass viele Betroffene sich aus Scham oder Angst vor Repressionen nicht trauen, mit ihrem Problem an die Öffentlichkeit zu gehen. Eine typische Reaktion auf Mobbing ist Rückzug und Isolation vom gesellschaftlichen Leben, was bis hin zu Depression und Selbstmordgedanken führen kann. Folgewirkungen sind auch Konzentrationsprobleme, Schlaflosigkeit oder Alpträume, starke Selbstzweifel, paranoide Zustände und gereizte, aggressive Stimmung. Dabei verschlechtert sich der Zustand, je länger Menschen unter Mobbing zu leiden haben.

Ein Weg aus der Opferposition ist, dem Täter klare Grenzen zu setzen, etwa, indem man ihn direkt auf die Situation anspricht. Auch kann man sich Hilfe innerhalb des Betriebes suchen, jeder Vorgesetzte hat rechtlich die Verantwortung, für das Wohl seiner Arbeitnehmer zu sorgen. In der Praxis ist es allerdings Vielen nicht möglich, innerhalb eines Betriebes Unterstützung zu finden. Daher raten Experten, sich an die Ortsverwaltung der Gewerkschaften oder die Ortsniederlassung der Krankenkasse zu wenden, um rechtliche und gesundheitliche Hilfe zu bekommen. Und auch Selbsthilfegruppen, Hausärzte, Psychologen und Rechtsanwälte können weiterhelfen.

In jedem Fall sollte über alle Vorkommnisse Buch geführt werden. Ein Mobbing-Protokoll mit genauen Datums-, Zeit- und Tathergangsbeschreibung erleichtert Anwälten und Gerichten, im Falle einer rechtlichen Auseinandersetzung, die Arbeitssituation nachzuvollziehen.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie hier:
www.mobbing-web.de
Wikipedia/Mobbing
Wikipedia/Mobbing im Arbeitsrecht
DGB/Mobbing