Mit dem Buch „Industriereportagen“ wird Günter Wallraff 1970 zum ersten Mal einer breiten Öffentlichkeit bekannt. In dem Taschenbuch werden seine Erfahrungen als Arbeiter in der Metallindustrie zusammengefasst, die er von 1963 bis 1965 in verschiedenen Großbetrieben sammelte und in der Gewerkschaftszeitung „Metall“ veröffentlicht hat.
Durch das große öffentliche Interesse an dem Buch verursacht, wurden schon ende der 1960er Jahre in vielen Unternehmen sog. „Wallraff-Steckbriefe“ verfasst, damit Personalentscheider den Journalisten frühzeitig enttarnen konnten. Trotzdem gelang es Wallraff immer wieder, sich getarnt und mit falscher Biografie in Firmen einzuschleichen um deren Praktiken zu recherchieren.
Unter Anderem war er Alkoholiker in einem Irrenhaus; Obdachloser; ein Student, der ein Zimmer sucht; ein katholischer Fabrikant, der katholische Geistliche befragt, ob es mit dem christlichen Glauben zu vereinbaren sei, Napalm zu produzieren; Hilfskraft in einer Filiale von McDonald’s, Leiharbeiter auf einer Großbaustelle sowie bei einem Arbeiterverleiher bei Thyssen /Duisburg und Versuchskaninchen bei einem Medikamentenversuch.usw.
1977 arbeitete Günter Wallraff vier Monate lang unter dem Pseudonym „Hans Esser“ in der Hannoveraner BILD-Redaktion. Das darüber publizierte Buch „Der Aufmacher. Der Mann, der bei BILD Hans Esser war.“ deckte die Recherchemethoden, Wahrheitsverfälschungen und politischen Manipulationen des Blattes auf.
„Die Veröffentlichung dieses Berichts setzte ihn einer beispiellosen Hetz-Kampagne durch BILD und andere Springer-Zeitungen aus. Er wurde öffentlich verleumdet und heimlich bespitzelt, Wanzen wurden in seiner Wohnung gelegt und Telefone abgehört.“
aus der Biografie von guenther-walraff.com
Seine bisher letzte Undercover-Recherche veröffentlichte er 1985 unter dem Titel „Ganz unten“. In der Rolle des Gastarbeiters Ali Levent erlebt er, als Billigarbeitskraft ausgenutzt zu werden und als „letzter Dreck“ behandelt zu werden. Gleichzeitig lernt er aber auch den Zusammenhalt der türkischen Bevölkerung in Deutschland kennen und schätzen.
Nach mehreren Jahren Pause ist Günter Wallraff wieder Undercover auf der Spur unzumutbarer Arbeitsverhältnisse in Deutschland. Einen ersten Vorgeschmack liefert er über die zwielichtigen Methoden in der Call-Center-Branche. Seinen Artikel dazu findet man in der Zeit Online.
In einem Video-Interview erzählt Wallraff, warum er nach vielen Jahren wieder in andere Rollen schlüpft und was als Nächstes zu erwarten ist…
Die Zeit: Undercover im Callcenter