Archiv für die Kategorie ‘Beruf’

Für Akademiker haben sich die Chancen auf einen Arbeitsplatz im Laufe des Jahres 2006 verbessert.

Juli 6, 2007

Zu diesem Schluss kommt die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit in ihren aktuellen Analysen zum Arbeitsmarkt für Akademiker. Die Ergebnisse für zwölf Berufsgruppen hat die ZAV jetzt in ihrer Online-Publikationsreihe Arbeitsmarkt Kompakt 2007 veröffentlicht.

Nachgefragt sind Akademiker in allen Bundesländern und in vielen Wirtschaftsbranchen – vor allem in kleineren und mittleren Unternehmen. Arbeitgeber suchen insbesondere Ingenieure verschiedener Fachrichtungen, Ärzte, Unternehmensberater, Sozialarbeiter und Sozialpädagogen. Bei Wirtschafts- und Geisteswissenschaftlern ist die Arbeitslosigkeit deutlich zurückgegangen.

Arbeitsmarkt Kompakt 2007 erscheint für die ausgewählten akademischen Berufsgruppen jeweils in getrennten Ausgaben für Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit

Von der Anzeige zum Job

Juni 15, 2007

In Deutschland werden 25% aller offenen Stellen über Anzeigen in Zeitungen und Fachmagazinen neu besetzt. Bevor ein Unternehmen jedoch eine Anzeige schaltet, muss in der Fachabteilung, in der die vakante Stelle ausgeschrieben ist, und in der Personalabteilung etwas Vorarbeit geleistet werden. Jedes Unternehmen ist daran interessiert, einen Mitarbeiter zu finden, der nicht nur über geeignete Qualifikationen verfügt, sondern sich auch mit persönlichen Fähigkeiten in die Unternehmensstruktur einfügt.

Jeder Beruf bringt spezielles Wissen mit sich. Fachkenntnisse wie Fremdsprachen, Computerkenntnisse und berufsbedingtes Fachwissen sind die sog. Hard Skills. Fachliche Kenntnisse sind für jede Firma selbstverständlich unabdingbar bei der Besetzung einer Stelle.

Die sog. Soft Skills beschreiben dagegen die persönlichen Fähigkeiten, wie zum Beispiel Kundenorientiertheit, Teamfähigkeit und Belastbarkeit, gewinnen aber bei steigender Service-Orientierung und wachsender Komplexität vieler Aufgabenbereiche zunehmend an Bedeutung.

In Firmen ist man daran interessiert, einen Bewerber heraus zu filtern, der möglichst genau in das erstellte Anforderungsprofil passt. Dementsprechend sind Suchanzeigen formuliert; die Anforderungen lassen sich jeweils einteilen in erwartete Kenntnisse und zusätzlichen Qualifikationen, die zwar nicht zwingend erforderlich, aber wünschenswert sind. So liest man zum Beispiel häufig: „Kenntnis xyz ist unabdingbar/ erforderlich/ zwingende Vorraussetzung.“ Ohne Kenntnis xyz braucht man also keine Bewerbung zu schreiben. Steht dort jedoch: „Fähigkeit cde ist wünschenswert/haben beste (ideale) Vorraussetzungen/von Vorteil“, hat man auch ohne diese Fähigkeit ggf. eine Chance.

Da sich auf Stellengesuche in den großen Zeitungsstellenmärkten nicht selten hunderte Bewerber melden, macht es Sinn, an den eigenen Bewerbungsunterlagen lieber etwas mehr, als zu wenig zu arbeiten. Je mehr die Bewerbungsunterlagen mit der Anzeige abgestimmt sind, so sie denn den Tatsachen entspricht, desto höher sind die Chancen, zu einem Gespräch eingeladen zu werden. Dabei gilt, Bewerbungen, die klingen, wie von einem Computerprogramm generiert, werden genauso ausgesiebt, wie Unterlagen, bei denen es an Grammatik und Rechtschreibung mangelt und die insgesamt einen chaotischen Eindruck machen. (Wobei Rechtschreibung bei z.B. einem Taxifahrer weniger Bedeutung beigemessen wird, als z.B. bei einer Gerichtsschreiberin.).

Für die Personalabteilung eines Unternehmens ist es eine Herausforderung, unter allen Bewerbungen diejenigen heraus zu filtern, die tatsächlich auf die Stellenbeschreibung passen. Eine falsche Entscheidung bei einer Einstellung kann einen Betrieb viel Geld kosten.

Da sich im Gegensatz zu Fachkenntnissen die persönlichen Fähigkeiten schlecht in Noten oder durch Zeugnisse darstellen lassen, lassen sich Unternehmen Mittel und Wege einfallen, Ihre besten Bewerber daraufhin zu testen (-> siehe Assessment Center). Spätestens hier fällt auf, wer in seiner Bewerbung falsche Angaben gemacht, oder seine Soft Skills unter- oder überschätzt hat.

Assessment Center

Juni 7, 2007

Einen guten Job zu finden ist mehr denn je mit viel Hoffen und Bangen verbunden. Bei der Zahl der Arbeitssuchenden den Beruf zu ergreifen, auf den man so lange hin studiert und gearbeitet hat ist schwer, sehr schwer. Viele Mitbewerber machen es nicht leicht, den Personalchef, von dem die weitere Zukunft abhängt, positiv auf sich aufmerksam zu machen.

In Personalabteilungen großer Firmen gilt oft die Regel, eine Anzeige, auf die nur hundert Bewerber antworten, war eine schlechte Anzeige. Nicht selten hat man tausende Mitstreiter, gegen die man sich auf dem Weg zum Traumjob durchsetzen muss.
Die perfekten Bewerbungsunterlagen sind daher unabdingbar, doch sie sind nur die erste Hürde. Wer es geschafft hat, aus der Flut der Unterlagen positiv hervor zu stechen muss nicht selten damit rechnen, zu einem Assessment eingeladen zu werden (engl.: to assess – beurteilen). Diese Bewerberrunden, auch „Realitätssimulationsverfahren“ genannt, dienen den Unternehmen dazu, anders als in den klassischen Vorstellungsgesprächen, die Kandidaten in unterschiedlichen Situationen zu beobachten und ihre Leistungen gemäß den Anforderungen des Arbeitsplatzes zu bewerten.

Die Idee der Assessment Center ist schon recht alt; sie geht zurück auf Tests, die die deutsche Reichswehr nach dem ersten Weltkrieg mit Offiziersanwärtern durchführte. Das „heerespsychologische Auswahlverfahren“ war ab 1927 Pflicht für jeden Offizier der Reichswehr. Die Methode wurde alsbald auch in England und den USA eingesetzt. In den 60er und 70er Jahren hielt das Verfahren erstmals in der Privatwirtschaft Einzug und wurde kontinuierlich weiter Entwickelt. Auch heute noch ist ein hoher Verbreitungsgrad zu verzeichnen. Zukünftig wird es also nicht leichter, eine hohe Position über ein vergleichsweise schlichtes Bewerbungsgespräch zu besetzen.

Wesentliche Bestandteile dieses meist ein- bis dreitägigen Personalauswahlverfahrens bilden strukturierte Interviews, Gruppendiskussionen, Rollenspiele und Präsentationsaufgaben.
Die Interviews machen oft den Anfang eines Seminars aus und ähneln stark den bekannten Vorstellungsgesprächen. Erst richtig spannend für die Beobachter wird dann die Gruppendiskussion, in der Jeder gegen Jeden argumentiert, um am Ende ein gemeinsames Ergebnis zu präsentieren. Kein Mitbewerber kann einschätzen, ob er zu viel oder zu wenig redet, ob das, was er sagt das ist, was erwartet wurde und ob es sich besser macht mit der Herde zu laufen, sie anzuführen oder seinen eigenen Weg zu gehen. Genau so tückisch sind Rollenspiele, in denen zum Beispiel Gesprächssituationen zwischen Kollegen oder Angestellten mit Vorgesetzten simuliert werden. Und nicht zuletzt die Umsetzung und anschließende Präsentation gestellter Aufgaben steckt voller vermeintlicher Stolperfallen.

Ein bekanntes Verfahren für die Analyse der Arbeitsleistung ist zum Beispiel die sog. „Postkorb-Fallstudie“. Ursprünglich wurde dem Kandidaten hierbei ein voller Postkorb hingestellt, den er unter Zeitdruck nach Priorität und Dringlichkeit zu sortieren hatte. Anders kann diese Aufgabe gestellt werden, indem der Kandidat gebeten wird, sich vorzustellen, sein Vorgesetzter bäte ihn zum Gespräch, er hätte einen wichtigen Kundentermin, müsse noch zwei Unterschriften leisten und zu guter Letzt riefe die Ehefrau an, denn zu Hause ist sei eine Wasserleitung geplatzt. In kurzer Zeit soll der Kandidat dann (oft schriftlich) wiedergeben wie er sich in dieser Situation verhält.
Bei einem anderen Aufgabenbeispiel wird an jeden Teilnehmer ein kleiner Betrag ausgezahlt mit der Bitte, ihn bis zum Abend zu verdoppeln. Welchen Weg er dazu wählt bleibt ihm überlassen. Zur Beruhigung: so mancher, der das vorgegebene Ziel nicht erreicht hat, hat dennoch besser Abgeschnitten als jene, die ihren Betrag gewinnbringend beim Black Jack verdoppelten. Es ist immer auch eine Frage des Weges und der Umsetzung, die einen gewichtigen Teil der Bewertung ausmachen. So hat ein Teilnehmer für sein Geld einen Eimer und einen Lappen gekauft und an einer Ampel Windschutzscheiben geputzt. Seine Einnahmen überstiegen die Auslagen nur um einen Bruchteil, aber die Experten lobten die durchdachte Planung, den Arbeitseinsatz und den positiven Umgang mit den Kunden, die der Mann an den Tag legte. Außerdem bewies er mit seiner Idee, dass er sich auch für „niedere“ Arbeiten nicht zu Schade war.
Wissens-, Wesens- und Intelligenztests komplettieren die Palette der Übungen. Ein Team aus Personal- und fachspezifischen Experten beobachten und bewerten die Teilnehmer in allen Situationen. Nicht selten sind auch Psychologen vor Ort, um Sozialkompetenz und Teamfähigkeit der Bewerber zu analysieren.

Wer sich nun also erfolgreich durch dieses schwerste aller Bewerbungsverfahren gekämpft hat, dem winkt gelegentlich zum Abschluss die verdiente Einladung zum Essen mit dem Team und ja, auch hier sind die Augen und Ohren der Beobachter weit offen. „Gabeltest“ nennt sich ein uraltes Verfahren, an der Art und Weise, wie bei Tisch miteinander umgegangen wird, an Höflichkeitsstandarts und Essgewohnheiten kann noch einmal viel Wissenswertes über den gesellschaftlichen Stand und Sozialkompatibilität herausgefunden werden.
Für all jene, die einen Managerposten anstreben oder auf eine ähnlich hoch positionierte Anstellung in einem erfolgreichen Unternehmen anstreben ist die Wahrscheinlichkeit, an einem Assessment Center teilzunehmen nicht gering. Da aber die Ausrichtung und Organisation eines solchen Seminars mit nicht zu verachtenden Kosten verbunden ist, werden kleine und mittelständische Unternehmen weiterhin auf Vorstellungsgespräche und Einstellungstest zurückgreifen.