Die anhaltend gute Konjunktur in Deutschland macht Mut. Die Bundesagentur für Arbeit veröffentlicht Arbeitslosenzahlen, wie seit Jahren nicht mehr. Für den Monat April diesen Jahres wurden 3.967.000 Arbeitslose vermeldet, das sind ganze 732.000 weniger als im Jahr zuvor!
Allerdings sollte man sich von den niedrigen Zahlen nicht täuschen lassen. Das so wenige keine Arbeit haben bedeutet nicht, dass Alle anderen Erwerbstätigen eine Vollzeitstelle mit allen Versicherungsleistungen vorweisen können. So werden Ein-Euro-Jobber zum Beispiel nicht in die Statistik einbezogen. Immerhin 290.000 Menschen sind im Mai 2007 einer Ein-Euro-Tätigkeit nachgegangen.
Ebenso werden arbeitslose Schulabgänger und Arbeitslose über 58 Jahre, die nach dem „erleichterten Leistungsbezug“ dem Arbeitsmarkt „nicht mehr zur Verfügung gestellt werden müssen“, von der Statistik nicht berücksichtigt.
Arbeitnehmer, die von einer Zeitarbeitsfirma vermittelt werden, haben zwar eine Vollbeschäftigung, allerdings in den meisten Fällen befristet. Nicht selten beschränkt sich diese Frist auf ein paar Monate, im Höchstfall beträgt sie zwei Jahre. Danach spätestens muss eine Firma den Mitarbeiter entweder übernehmen oder durch einen Neuen austauschen. Seit 2006 sind die Hälft aller neu geschaffenen Arbeitsplätze auf sog. Leiharbeit ausgerichtet. Von 1996 bis 2006 stieg die Zahl der Beschäftigten in dieser Sparte laut BA von 180.000 auf 600.000.
Im Februar 2007 lebten 7 Millionen Haushalte von Hartz IV, Mitbewohner einer Bedarfsgemeinschaft werden ebenfalls nicht in der Statistik erwähnt.
Insgesamt sind die Arbeitslosenzahlen trotzdem weiter rückläufig und die BA vermeldet kommenden Fachkräftemangel, insbesondere im Bereich des Ingeneurswesens. „Das uns bekannte Stellenangebot ist derzeit um gut 150.000 höher als vor einem Jahr. Inzwischen zeichnen sich erste Personalengpässe in einigen Berufen und Regionen ab. Gleichzeitig nimmt die Nachfrage nach spezialisierten Fachkräften zu, so dass die Suche nach speziellen Bewerbern inzwischen deutlich länger dauert als noch vor einigen Monaten“, sagte Raimund Becker, Vorstand Arbeitslosenversicherung der BA.
Quelle: Bundesagentur für Arbeit, rf-news
[Update] Im Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages liegt eine Petition bezüglich der Bekanntgabe der tatsächlichen Zahl der derzeit Erwerbsuntätigen zur Zeichnung vor:
„Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass das statistische Bundesamt die offizielle Zahl der Arbeitslosen in Deutschland veröffentlicht. Als Arbeitslosenzahl soll gelten: Die Summe aller im gesamten Berichtszeitraum arbeitslosen bzw. arbeitsuchenden Menschen, die Leistungsbezieher nach dem SGB III (ALG I), nach dem SGB II (ALG II), arbeitsuchend mit oder ohne Leistungsbezug sind oder sich in einer Arbeitsgelegenheit, einer Fortbildungs- oder sonstigen arbeitsmarktpolitischen Maßnahme befinden.“Damit der Bundestag die offizielle Zahl aller Arbeitslosen veröffentlicht, sind hiermit alle aufgerufen, sich an der Petition zu beteiligen!“
(via Löwenzahn)